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Julius in Argentinien

„Die Argentinier sind absolut herzlich!“

Ich bin Julius und ich habe mit Eurovacances ein Jahr in Argentinien verbracht. Das war aufregend, anstrengend, großartig – und genau das Richtige für mich. Wieso? Das erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

Name: Julius
Ort: Juana Koslay
Land: Argentinien

Sprach- und Kulturcamp in Cosquín

Nachdem mich der Abschied von zu Hause doch ein wenig traurig gemacht hat, war ich froh, dass ich gleich auf dem Bahnhof in Hannover einen anderen Eurovacances-Austauschschüler getroffen habe. Gemeinsam mit fünf weiteren Argentinien-Fahrern sind wir dann in Frankfurt in den Flieger nach Córdoba gestiegen und sind dort von einer Betreuerin der Partnerorganisation empfangen worden. Mit dem Taxi ging es weiter nach Cosquín, einem kleinen Ort in der Nähe von Córdoba, zu unserem einwöchigen Sprach- und Kulturcamp. Das war für mich der perfekte Einstieg, um die Aufregung loszuwerden und mein Spanisch zu verbessern. Außerdem habe ich dort Tangotanzen geübt und viele super nette Austauschschüler kennengelernt, mit denen ich zum Teil heute noch Kontakt habe.

Mi nueva familia

Am Busbahnhof war schnell klar, wer meine Gasteltern sind – mein Gastvater Carlos, ein Rechtsanwalt Mitte 50 und seine Frau Alejandra (52) haben gelacht, auf mich gezeigt und mich erstmal ganz fest umarmt. Die beiden sahen genauso nett aus, wie ich sie mir nach unserem ersten und bis dahin einzigen Telefonat vorgestellt hatte. Meine beiden Gastbrüder Matias (16) und Hernan (15) haben mich dann zu Hause erwartet. Ich glaube, die waren mindestens genauso aufgeregt wie ich. 

Beim Aufwachen nach der ersten Nacht in einem völlig fremden Land dachte ich nur: „Mann o mann, hier wirst du jetzt ein Jahr verbringen?“ Meine Gastfamilie hat mir das Eingewöhnen aber leicht gemacht. Mit meinem Gastvater habe ich oft lange gequatscht und anfangs vor allem mit meinen Brüdern viel Zeit verbracht. Nach ein bis zwei Monaten war das Dorf Juana Koslay dann auch wirklich mein Zuhause. Zum Kennenlernprozess gehörte aber auch, Regeln festzulegen. Dazu gehörte beispielsweise Bescheid zu geben, wenn ich länger unterwegs sein würde oder nach der Schule nicht zu trödeln. Ich war froh, dass mir meine Gasteltern ganz offen gesagt haben, was ich im Umgang mit ihnen verbessern kann, denn nur so konnte das zwischen uns auch funktionieren. 

Escuela argentina

Genauso offen, herzlich und temepramentvoll, wie ich mir als Deutscher die Südamerikaner vorgestellt hatte, haben mich auch meine Klassenkameraden am ersten Schultag empfangen. Und nicht nur die: In der Pause haben mich die Schüler aus anderen Klassen umringt, sich vorgestellt und alles mögliche gefragt. Besonders meine blonden Locken haben alle fasziniert – nicht nur die Jungs J. Zur Begrüßung wurde sogar ein traditioneller Tanz aufgeführt. In der Schule war irgendwie immer was los. Neben bekannten Fächern wie Englisch, Spanisch, Mathe oder Geschichte habe ich in Kultur & Kommunikation zum ersten Mal Filme analysiert. Super spannend!

Apropos Kommunikation: Anfangs konnte ich außer ein paar Grundbegriffen fast kein Spanisch. Ich musste mich öfter mit Englisch oder Händen und Füßen verständlich machen. Das hatte sich nach drei Monaten aber grundlegend geändert. Da habe ich bereits auf Spanisch gedacht und geträumt und nach einem halben Jahr auch endlich alle Witze meiner Mitschüler verstanden. Auch die üblichen Begrüßungsküsschen unter engen Freunden sind mir schnell zur Gewohnheit geworden, nachdem ich erstmal kapiert hatte, dass man nicht jeden Morgen die gesamte Klasse auf diese Weise begrüßen muss.

Meine Lehrer an der Schule waren insgesamt sehr hilfsbereit – der Philosophielehrer hat mir sogar extra Nachhilfe gegeben. An meiner Schule hat man den Lehrern viel Respekt entgegen gebracht und gleichzeitig in der Freizeit was unternommen. Jeden Freitag stand zum Beispiel ein Fußballspiel mit unserem Wirtschaftslehrer auf dem Plan, und bei meiner Schulleiterin und ihrem Sohn war ich oft zum Grillen eingeladen oder bin mal mit ihnen in die Anden gefahren – einfach entspannt.

...y despues...

Der Unterricht war jeden Tag früh zu Ende.Trotz der anspruchsvollen Hausaufgaben hatte ich Zeit, mein Gitarrespiel zu perfektionieren, die Großeltern zu besuchen oder mit meinen Nachbarn auf der Straße Fußball zu spielen. Überhaupt sind Draußen-Aktivitäten bei dem fast immer guten Wetter in Argentinien klasse: Schwimmen im hauseigenen Pool, am Wochenende mit Freunden in die nahegelegene Stadt San Luis fahren oder mit meinem besten Freund Chino etwas unternehmen. Tanzen habe ich in Argentinien auch gelernt. Sie haben dort eine ganz eigene Musik und einen eigenen Tanzstil. Der Tango allerdings ist dann doch eher was für Ältere, wie ich dann erfahren habe. 

Solltet ihr, wie ich, auch öfters mal eingeladen werden, einen Mate-Tee mitzutrinken (das ist ein typisch argentinisches Getränk), dann könnt ihr ganz sicher sein, dass ihr akzeptiert werdet.

 

Gemeinsam mit drei weiteren Klassenkameraden habe ich in meiner Argentinienzeit außerdem eine kleine Rockband gegründet. Wir haben es immerhin bis zu einem Auftritt im Audimax der Universität gebracht, als dort unser zehnjähriges Schuljubiläum gefeiert wurde. Bei „Californication“ von den Red Hot Chili Peppers haben alle mitgesungen – das war einfach super und tausend Mal besser, als die üblichen seichten argentinischen Popsongs.

 

An den Wochenenden haben wir auch oft mit der Familie gegrillt, denn das Fleisch dort ist extrem lecker. Wir haben uns immer viel zu erzählen gehabt und diese Abende waren richtig gemütlich. Tagsüber und in den langen Sommerferien habe ich mit meiner Gastfamilie auch kleine und größere Trips gemacht: Wir waren in Buenos Aires, im nahe gelegenen Gebirge oder in unserem kleinen Ferienhaus an der Küste.

Un poso mas lejos

Das absolute Highlight waren die beiden Reisen, die von den Partnerorganisationen angeboten wurden. In Patagonien konnte ich gemeinsam mit anderen internationalen Austauschschülern Pinguine und Wale beobachten und bei der zweiten Reise an die brasilianische Grenze haben mich die tropischen Wasserfälle von Iguazú ordentlich nass gespritzt. [FOTO: Plener_Julius_05.jpg] Am größten Staudamm Argentiniens bin ich zum Glück trocken geblieben, und der Tagesausflug nach Paraguay hatte statt Wasser eine Unmenge an Elektrogeräten zu bieten, die alle Argentinier dort günstig einkaufen. Ich habe mich aber zurückgehalten, denn das maximale Fluggepäck ist doch sehr begrenzt.

¿Por qué Argentina?

Wenn ich genügend gespart habe fliege ich bald wieder rüber, denn für mich war und ist Argentinien genau das richtige Ziel! Ich wollte absichtlich nicht in ein englischsprachiges Land, und mein Patenonkel hatte mir so von Argentinien vorgeschwärmt, dass ich mir einfach selbst ein Bild machen wollte. Er hatte nicht zu viel versprochen. Die Menschen sind absolut fröhlich, herzlich, offen und wirklich an dir als Person interessiert. Das Leben wird insgesamt etwas gelassener genommen und das hat mir sehr gut gefallen. Ich hoffe, dass ich einiges von dieser Mentalität mit nach Hause nehmen konnte und wünsche euch allen auch wunderbare Erfahrungen – egal, welches Land ihr euch aussucht! 

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